1706 Stadtbrand: Auch Johann Waltzens Metzgerhaus zerstört

Nachdeme leider! Durch Gott

Mit dieser Überschrift beginnt das ganze handgeschriebene Buch „Raths-Protocoll des Jahres 1707“, obwohl es eigentlich in das Raths-Protocoll des Jahres 1706 gehörte. Alle vor dem verheerenden Stadtbrand der Erlanger Altstadt geführten Raths-Protokolle wurden leider auch vom Feuer zerstört. Auf 5 Seiten hat der Stadtschreiber den Brand und die betroffenen Häuser beschrieben. Hier die Original-Dokumente aus dem Erlanger Stadtarchiv (1.B.1). Durch Anklicken lesbar machen:

Auf Text-Seite 3 wird auch unser Haus – des Johann Waltzens Metzgerhaus – als abgebrannt beschrieben. Überhaupt sind damals fast alle Altstadthäuser niedergebrannt. Die erst vor 20 Jahren (1686) von den Hugenotten errichtete Erlanger Neustadt war davon gar nicht betroffen. Die Häuser dort waren auch überwiegend aus Stein gebaut, während die Altstadt-Häuser Fachwerkhäuser waren.

Transkription der ersten Seite

Die Transkription der ersten Seite zeigt, wie vor gut 300 Jahren hier so eine Katastrophe beschrieben wurde. Schon die Überschrift bezieht sich auf Gott, ja gibt ihm quasi die Verantwortung:

Nachdeme leider! durch Gott

Verhängnuß, den 14. Augusti, des 1706ten Jahrs

an einen Sonnabendt nachmittag umb 4. Uhr eine unversehene Feuersbrunst in hiesiger Alt-Stadt-Erlang, und zwar in Rupprechts Memmingers, deß Raths- und Gastgebern allhier seinen Gasthof zum Rothen Rößlein hinten angebauten Bräuhaus, bey dem Branntwein-Kessel, alwo eine Flamme durch Röhren auf die Gassen zwischen diesen und anderen besitzenden und bewohnten Kronen-Gasthof gegangen, entstanden, da dann – bey der in diesem Jahr lang angehaltenen Dürre, als gedachten Rupprecht Memmingers Fuhrknecht, eine Fuhre Grammet mit zwei angespannten Ochsen zwischen beiden Gasthäusern in die Scheuren führen wollen und hinterwärts an gedachter Rauch-Röhren vorbey fahrend, sind die Funken an das Bromet(?) gerathen, davon solches angefangen zu brennen.

Ob zwar wohl der Knecht und der damals in besagter Krone logierte fränkische Lieutnant Herr von Born, so dazu gekommen, getrachtet, das Feuer abzulöschen, hat es doch nichts behelfen wollen, sondern die angespannten Ochsen, welche von dem entstandenen Feuer wild worden, sind mit dem brennenden Wagen hinten in den Stadel, welche dazumal offen gestanden gelauffen, wodurch der völlig angefüllte Stadel in Brand gerathen. Auch beide Ochsen, welche man nicht mehr retten können an den Wagen, darinnen mit verbrannt. Darüber solch Feuer dermaßen überhandt genommen, daß innerhalb 2 Stunden als von 4. bis abends 6. Uhr fast das ganze Stättlein in die Asche gelegt worden, …

Auf den nächsten Seiten werden die abgebrannten Häuser benannt, so auch „Johann Waltzens Metzgerhaus“ auf Seite 3.

Seite 5 endet mit der Beschreibung, wie das Feuer sich verbreitet hat:

Durch diese Städel und dabey hinten ausser der Mauer viel gestandene Scheidholtz, so aus der gemachten herrschafftl. Allée häuffig angeführt worden, ist das Feuer über die Mauer hinein geschlagen, daß die Gebäudte und Gasthöff fast alle von hinten her nieder gebranndt und zu Aschen worden.
Dahero auch leider in diesen Brand alle schrifftliche Documenta, Register und Rechnungen, sonderlich auch das von vielen Jahren durch Georg Buchta gewesenen Stattschreibern und Organistens geführte Protocoll bey hiesigen Bürgermeister Ambt (weil man solches alles nach seinem kürtzlich vorherigen Ableben auf das Rathhauß bis zu deß Neuen Stattschreiber, Wolfgang Girberts extradirung, verwahrlich gelegt, somit zu Aschen worden. Als hat man gegenwärtig Neues Protothocoll widerumb angefangen, und zu mächtiger Nachricht, diesen von Gott verhängten Schaden sicher annotiren wollen.
Gott ersetze den erlittenen Schaden mit wider glücklicher Auferbauung, und behüte hinführo die gantze Statt vor dergleichen und anderm Unglück
.

Erkenntnis

Wir können uns heute wohl kaum vorstellen, was das damals für die rund 600 Erlanger Altstadt-Bewohner bedeutete, als sie plötzlich obdachlos waren. Es gab sicher keine „Notunterkünfte“ für die Stadtbewohner. Zudem konnten die meisten ohne ihre Häuser auch nicht mehr arbeiten: Die Werkstätten fehlten um das Geld zu verdienen. Und Mitte August mussten auch Lebensmittelvorräte für den Winter in den Häusern schon angelegt sein. Die waren alle weg, und neue konnte man mangels Lagerplatz nicht sammeln. Eine sehr kritische und bedrohliche Situation für die Menschen damals.

Da wundert es nicht, dass der Aufbau der abgebrannten Häuser sehr schnell ging. Deshalb baute man die Häuser wieder wie gewohnt in Fachwerk-Bauweise auf. Nur diesmal so, dass Straßen gerade verlaufen konnten. Etliche Häuser wurden also leicht versetzt zu ihrem alten Platz neu aufgebaut. So auch das Haus von Metzgermeister Waltz: Der Gewölbe-Keller des alten Hauses liegt heute unter der Hautstraße.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert