Die Handschrift im Steuerkataster ist jetzt besser lesbar. Noch immer zieht das Königliche Landgericht und Rentamt die Steuern für die Steuergemeinde Erlangen ein. Dafür wird auch weiterhin das Steuerkataster mit allen Änderungen geführt. Damit bei einem Besitzerwechsel auch weiterhin klar ist, wer wieviel zahlen muss.
Das Dokument auf Kat. Seite 1264 beschreibt die vorausgegangenen Besitzwechsel, bevor Schlossermeister Georg Hanibal Savini das Haus gekauft hat. Übrigens mit seiner Frau gemeinsam!
Eigenartigerweise geht es um Haus 767 b (die obere Hälfte), obwohl das Haus ja gar nicht mehr geteilt war. Eine Bemerkung ganz am Ende verweist aber darauf, dass zum Kauf auch das Haus 767 a gehört.



Alle 3 Seiten des Steuerkataster-Eintrags 1264 / 1-3 von 1868 aus dem Staatsarchiv Nürnberg
| Namens-Änderung | Umschreib-Kataster Seite | Steuer-Umschreibung (Quartal / Jahr) |
| nc. Ganser, Katharina, Ww. und deren 3 Kinder | 1264 1/2 | III. 1862/3 |
| no. Ganser, Elisabetha Johann Jakob Coburger und Johann. | 1264 1/2 | V. 1865/66 |
| nc. Savini, Georg Hanibal Schlossermeister und dessen Ehefrau Katharina Margaretha geb. Müller. | 1264 1/3 | III. 1868. |
Kürzel: „re“ und „no“ stehen vermutlich für „renovatum“ (erneuert) oder beziehen sich auf die Art des Eintrags im Kataster.
Personen: Das Haus gehörte ursprünglich dem Schlossermeister Peter Ganser. Nach seinem Tod ging es an seine Frau Katharina und ihre drei Kinder. Als Katharina Ganser starb, erbten es die drei Kinder. Die verkauften dann gemeinsam an den Schlossermeister Georg Hanibal Savini und seine Frau.
Im nächsten Dokument wird das detailliert aufgeführt:
Erster Abschnitt (III. Quartal 1862/63
| Spalte | Inhalt |
| Benennung des Besitz-Gegenstandes | Gesammtbesitz Kt. S. 1264 III. Quartal 1862/63 |
| Flächen-Inhalt | 1,52 Tagwerk |
| Einfache Grundsteuer | 5,1 (kr.) |
| Vortrag von Erwerbs-Titel | Laut Umschreibungsverzeichniß N. 95 und Urkunde des K. Stadt- und Landgerichtes Erlangen vom 2 Mai 1863 auf Ableben des Schlossermeisters Peter Ganser dahier ererbt. |
| Details zu den Erben | Vorstehenden Gesammtbesitz ererbten nach obiger Urkunde: 1., Katharina Ganser, Ww. 2., deren Kinder: a., Elisabetha, b., Johann Kaspar und c., Johann Adam Ganser dahier. P. B. Fol: 713 |
Zweiter Abschnitt (V. Quartal 1865/66)
| Spalte | Inhalt |
| Benennung des Besitz-Gegenstandes | Gesammtbesitz wie oben V. Quartal 1865/66 |
| Flächen-Inhalt | 1,52 Tagwerk |
| Steuer-Betrag | 5,1 kr. |
| Vortrag von Erwerbs-Titel | Laut Umschreibungsverzeichniß No. 415 und Schreiben des K. Stadt- und Landgerichts Erlangen vom 19. Januar 1866 in der Verlassenschaft der Ww. Maier Katharina Ganser in Erlangen in Anschlag zu 4328 fl. incl. |
| Details zum Erwerb | Vorstehender Gesammtbesitz übernommen nach obiger Urkunde: Ganser, Elisabetha – Johann Jakob Coburger und Maier in Erlangen. P. B. Fol 713 |
Erläuterungen zum Verständnis:
- Ww.: Abkürzung für Witwe.
- fl. / kr.: Gulden und Kreuzer (die damalige Währung).
- P.B. Fol 713: Bezieht sich auf das „Protokoll-Buch“, Seite (Folie) 713.
- Inhalt: 1863 wird das Anwesen nach dem Tod des Schlossermeisters Peter Ganser auf seine Witwe Katharina und die drei Kinder (Elisabetha, Johann Kaspar und Johann Adam) umgeschrieben. 1866 erfolgt ein weiterer Übergang in der Erbfolge an Elisabetha Ganser (verbunden mit den Namen Coburger/Maier).
Klärung zu „Coburger“ und „Maier“ (unterer Abschnitt): Die Zeilen im unteren Drittel des Dokuments beschreiben den Übergang von 1866. Es handelt sich um eine sogenannte „Gant“ (Versteigerung) oder einen Erbschaftsverkauf.
- Ganser, Elisabetha: Sie wird hier als Übernehmerin genannt.
- Johann Jakob Coburger: Dies ist ein Name, der oft im Zusammenhang mit dem Erwerb oder der Bürgschaft auftaucht. Im Text steht: „Ganser, Elisabetha – Johann Jakob Coburger und Maier in Erlangen“.
- Ww. Maier, Katharina Ganser: Dies ist die wichtigste Klärung! Es scheint, dass die Witwe von Peter Ganser, Katharina Ganser, ein zweites Mal geheiratet hat und dadurch zur Witwe Maier wurde. Im Text steht rechts: „…in der Verlassenschaft der Ww. Maier, Katharina Ganser in Erlangen“.
Auf der dritten Seite wird der Kauf von Georg Hanibal Savini und Katharina Margaretha 1868 beschrieben:
Hauptabschnitt (III. Quartal 1868)
| Spalte | Inhalt |
| Benennung des Besitz-Gegenstandes | Gesammtbesitz wie oben III. Quartal 1868 |
| Flächen-Inhalt | 1,52 Tagwerk |
| Steuer-Betrag | 5,1 kr |
| Vortrag von Erwerbs-Titel | Laut Umschreibungsverzeichniß N. 833 und Urkunde des K. Notars Düll zu Erlangen vom 13. August 1868 von den Ganßer’schen 3 Kindern um 6000 fl. erkauft incl. Hs. Nr. 767a in Erlangen. |
| Details zum Erwerb | Vorstehenden Gesammtbesitz übernommen nach obiger Urkunde der Schloßermeister Georg Hanibal Savini und dessen Ehefrau Katharina Margaretha geb. Müller zu Erlangen. Reg. Fol. 713. |
Erkentnisse
- Der Verkäufer: Es wird explizit erwähnt, dass von den „Ganßer’schen 3 Kindern“ (Elisabetha, Johann Kaspar und Johann Adam) gekauft wurde. Dies bestätigt, dass die Geschwister nach dem Tod der Mutter (Ww. Maier / Katharina Ganser) gemeinsam handelten.
- Der Kaufpreis: Das Anwesen wurde für 6000 Gulden (fl.) verkauft.
- Die Käufer: Der Schlossermeister Georg Hanibal Savini und seine Frau Katharina Margaretha geb. Müller. Interessanterweise trägt die Käuferin denselben Vornamen wie die Vorbesitzerin (Katharina), ist aber eine geborene Müller. Das scheint mir noch ungewöhnlich für die Zeit, dass auch die Frau als Käuferin mit aufgeführt wird.
Nach dem Schlossermeister Ganser erwirbt wieder ein Schlossermeister, Georg Hanibal Savini, das Haus. Das läßt eine vorhandene Schlosser-Werkstatt-Einrichtung vermuten, die weitergenutzt werden konnte. - Hausnummer-Hinweis: Im Text rechts unten steht ein interessanter Zusatz: „incl. Hs. Nr. 767 a in Erlangen“. Dies deutet darauf hin, dass zu dem Komplex 767 b auch das Haus 767 a gehörte. Es geht also doch um das ganze Haus.


