Das ist ein interessanter Fall. Während es 1837 und 1842 noch um Modernisierungen im Haus 767 ging, zeigen diese Dokumente von 1871 aus dem Erlanger Stadtarchiv einen handfesten Nachbarschaftsstreit wegen mangelndem Brandschutz.






Seite 1 bis 6 aus dem Erlanger Stadtarchiv zum Vorgang im Haus 767 im Jahr 1871. Hier folgt die Transkription der Dokumente (Dokument 7 hier nur als Transkript):
Seite 1: Aktendeckel
Act des Stadtmagistrats Erlangen 1871 – 1968
Betreff: Bauvornahmen im Anwesen Haupt Str 109
[Signaturen: 6320 BA / 2681 I]
Seite 2, 3und 4: Das Protokoll der Anzeige und das Gutachten
Erlangen am 13. November 1871.
Praes. (Anwesend): Polizei-Officiant Lux, Protokollführer Fafold.
Auf gegebene Veranlassung von Seite der Privatiers-Ehegatten Fleischmann Hs. No. 768, daß in dem Hause ihres Nachbarn des Schlossermeisters Georg Hannibal Savini Hs. No. 767 durch einen in früheren Jahren errichteten Herd in der unteren Küche linker Seite, anstoßend an die Mauer des Fleischmann’schen Hauses, eine Feuergefährlichkeit zu erblicken sein dürfte, so wurden von kurzer Hand die zur Feuerschau berufenen beiden Mitglieder Maurermeister Böhnlein und Kaminfegermeister Weidner beauftragt Augenschein bezüglich dieser denunzierten Feuergefährlichkeit einzunehmen und den Befund im Protocoll zu constatieren. Demgemäß erklären dieselben nach eingenommenem Augenschein den Befund dahin:
Der fragliche Herd, welcher ohne polizeiliche Erlaubniß schon seit vielen Jahren hier in der unteren Küche aufgeführt wurde, stößt an zwei Seiten an Fachwerkwände an, und ist allerdings feuergefährlich, indem das darinnen befindliche Holz leicht vom Feuer ergriffen und in Brand gesetzt werden kann.
Es dürfte daher dem p. Savini, welcher sich damit einverstanden erklärte, daß der Herd als solcher nicht weiter mehr benützt und kein Feuer mehr darin geschürt wird, der Auftrag zugehen, daß er entweder den fraglichen Herd gänzlich abtragen oder eine Feuerschutzmauer von 6′ Höhe und 4′ Breite aufführen habe.
Die Befolgung fraglichen Auftrags dürfte übrigens durch die beiden Kaminfeger Weidner und Schwarz controlliert werden.
Böhnlein (Maurermeister) / C. Weidner (Kaminfegermeister)
Seite 5: Der Magistratsbeschluss
Erlangen den 14. Nov. 1871.
Schlossermeister Georg Hannibal Savini wird auf Grund des Art. 171 des Polizeistrafgesetzbuches aufgefordert, die feuergefährliche Herdstelle in seiner Küche entweder binnen 8 Tagen abzubrechen, oder die Mauer hinter demselben in einer Breite von 4′ u. einer Höhe von 6′ massiv aufzumauern.
Erlangen den 14. Nov. 1871.
Stadtmagistrat: Papellier
Seite 6: Eröffnung an Savini
Geschehen Erlangen den 15. November 1871.
Dem auf Vorladung erschienenen Schlossermeister G. Hannibal Savini von hier hat man den Mag. Beschluss vom 14. d. Mts. zur Wissenschaft und Danach-Achtung verlesen und eröffnet.
G. H. Savini, Schlosser
Raport in 8 Tagen
Erlangen den 17ten November 1871.
Stadtmagistrat
Unterschiften
Seite 7: Abschlussbericht
Erlangen den 10. Januar 1872.
Technischerseits wird constatirt, daß der betreffende Herd abgebrochen wurde, u. somit jede Feuersgefahr beseitigt ist. Erlangen, den 10. Januar 1872
Löhner (Bauinspektor)
Zusammenfassung
- Die Anzeige: Die Nachbarn Fleischmann (Haus Nr. 768) schwärzten Herrn Savini beim Magistrat an. Sie behaupteten, sein Küchenherd sei brandgefährlich für ihre gemeinsame Hauswand.
- Die Prüfung: Ein Maurermeister und ein Kaminfeger stellten fest, dass der Herd tatsächlich illegal („ohne polizeiliche Erlaubnis“) gebaut wurde und direkt an Fachwerkwände grenzte.
- Das Ultimatum: Der Schlosser Savini wurde vom Stadtmagistrat unter Androhung von Strafe aufgefordert: Entweder den Herd abreißen oder eine massive Brandschutzmauer bauen.
- Die Lösung: Savini entschied sich für den Abriss. Im Januar 1872 wurde die Akte geschlossen, nachdem der Bauinspektor den Abbruch bestätigt hatte.
Dem Vorgang ist auch zu entnehmen, dass es im EG links eine Küche gab. Die Fachwerkwände gibt es im Haus auch heute noch. Die Wand zum Haus 768 ist nur eine gemeinsame Wand, weil man damals sparsam gebaut hat. Das die Nachbarn da sehr aufmerksam waren, ist verständlich.


