1939 Gertrud Savini promoviert in Erlangen

Die einzige Tochter von Sebastian Savini – aus seiner ersten Ehe mit Bertha Ranzenberger – Gertrud Savini, ist 25 Jahre alt als sie 1939 ihre

Inaugural Dissertation
zur Erlangung der Doktorwürde
der Hohen Philosophischen Fakultät
der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen“

einreicht. Ihr Thema:
Das Weltbild in William Somerset Maughams Dramen“.

Gertud Savini hat damit die handwerkliche Tradition in der Familie unterbrochen. Sie beschäftigt sich mit der Geisteswissenschaft. Als Studentin hat sie sich für „Neuere Sprachen“ eingeschrieben. Ihre Dissertation handelt von dem im englischen Sprachraum sehr bekannten Erzähler und Dramatiker William Somerset Maugham.

Mit dem Satz „Meinen lieben Eltern in Dankbarkeit gewidmet“ beginnt ihre auf 70 Seiten gedruckte Doktorarbeit. Sie beschreibt darin die gesellschaftlichen Strukturen, die man aus den Texten von Maugham erkennen kann. Übrigens liest sich ihre Arbeit sehr angenehm. Sie scheint selbst eine interessante Autorin zu sein. Leider habe ich keine weiteren Texte von Gertrud Savini gefunden.

Mich bewegt die Frage, wo in unserem Haus wird sie ihre Doktorarbeit geschrieben haben? Hatte sie ein eigenes Studierzimmer? Das ausgebaute Dachgeschoß gab es noch nicht. Im Erdgeschoß war sicher nur die Schlosserei ihres Vaters. Im ersten Stock gab es nur Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche mit abgeteilter Kammer. Möglicherweise war diese Kammer ihr Studierzimmer?

Die Schlossertochter wird Sprach-Lehrerin

Am Ende der Dissertation gibt Gertrud Savini ihren bisherigen Lebenslauf an. Hier die Stationen:

  • Geburt: 8. Oktober 1913
  • Besuch von 4 Volksschul- und 6 Lyceumsklassen in Erlangen
  • Ab Frühjahr 1930 in der 7. Klasse der Erlanger Oberrealschule
  • 1933: Reifeprüfung dort
  • Ab 1933: Studentin für „Neuere Sprachen“ an der Erlanger Universität
    mit Vorlesungen zur Philosophie und praktischen Übungen in der italienischen Sprache
  • Im Sommersemester 1934 an der Universität München
  • Danach wieder Studierende in Erlangen bis Februar 1937
  • 1937: Teil 1 der Lehramtsprüfung für Neuere Sprachen
  • Juni 1937 bis April 1938: Pädagogisch didaktisches Seminar des Realgymnasiums zu Nürnberg
  • April 1938: Teil 2 der Lehramtsprüfung für Neuere Sprachen
  • Danach bis 1938: Fertigstellung der Dissertation

Damit ist belegt, dass Dr. Gertud Savini sich als Lehrerin qualifiziert hat. Das „Fraulein Dr. Savini“ müssten wohl viele Schüler in Erlangen erlebt haben. Nur unverheiratete Frauen durften damals im Staatsdienst als Lehrerin arbeiten. Dafür war die Anrede „Fräulein“ so wichtig.

Vermutlich italienischer Vorfahre

Dass sie sich besonders fürs Italienisch-Sprechen interessierte, könnte daran liegen, dass sie vielleicht wusste, dass Hannibal Francisco Savini ihr Vorfahre war. Hannibal Francisco wurde am 17. September 1731 in Rom geboren, und ist am 8. März 1805 in Erlangen gestorben. Er kam nach Erlangen, weil die Universität einen Italienisch-Lehrer brauchte.
So ganz belegt ist diese Verbindung noch nicht, aber sie ist sehr wahrscheinlich.

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