1943 Nachbarn beschweren sich über die Abortgrube

Mitten im Krieg, am 26. November 1943 geht beim Erlanger Oberbürgermeister unter der Überschrift „Bauamtssache“ eine massive Beschwerde von Ludwig Mayer aus der „Adolf Hitlerstr. 107“ ein. (Die Hauptstraße hieß zu der Zeit so.) Der Brief beginnt mit dem Satz:
Ich gestatte mit Sie darauf aufmerksam zu machen, das die Abortgrube meines Nachbarn Savini Adolf-Hitler-Str. 109 sich in einem ganz undichten Zustand befindet, so dass mein angrenzender Anbau allmählich dem Verfall zugeführt wird.“ Weiter unten schreibt er:
Die ganze Feuchtigkeit der Grube zieht sich daher an den Wänden hoch und zwar schon über 3 m.

Abort am hinteren Ende des Laubenganges

Dazu ist wichtig zu wissen, dass die alten Erlanger Häuser einen sogenannten Laubengang im ersten Stock hinten am Haus hatten. Der führte am Haus entlang und dann im rechten Winkel vom Haus weg an die hintere Grundstücksgrenze, hier etwa 10 m. Am Ende des Ganges war das „Stille Örtchen“ mit einem großen Loch im Boden. Dieses „Stille Örtchen“ ist in unserem Hause noch immer an der Stelle zu sehen. Damit die Bewohner des Erdgeschoßes das auch benutzen konnten, gab es eine Außentreppe am Laubengang hinten nach oben. Die Spuren davon sind noch heute erkennbar.

Alle Hinterlassenschaften landeten also im freien Fall unten im Hof, offenbar in einer Grube, die regelmäßig entleert werden musste. Wie groß diese Grube war, kann man der Antwort der städtischen Grubenreinigung vom 30. November 1943 entnehmen:

Nach den Eintragungen in der Kartei wurde die Grube im Anwesen Savini Adolf Hitlerstr. 109 erstmalig (mit Autobetrieb) am 27.9.34 mit 1 1/2 Tonnen dann am 6.10.37 mit 2 Tonnen u. am 16.4.42 mit 1 Tonne Inhalt entleert. Zum sicheren Zeichen, daß die Grube schlecht ist, beweist die letzte Entleerung. Das Wasser war zum größten Teil versickert oder abgezogen u. der Inhalt war so mit Mauerschutt vermischt, daß die Pumpe den ganzen Inhalt nicht herausziehen u. daher nur 1 Tonne entleert werden konnte.“

Alle 3 Dokumente stammen aus dem Erlanger Stadtarchiv.

Anordnung des Oberbürgermeisters

Am 6.12.1943 schreit er: „Ich sehe mich veranlaßt, Ihnen die Instandsetzung der Grube zur Auflage zu machen. Über den Vollzug wolle mir baldmöglichst berichtet werden.“

Am 26. Januar antwortet S.H.Savini:
Ihnen die Mitteilung, dass meine Abortgrube durch die Fa. Schwarz u. Bäumer in Ordnung gebracht wurde. Gleichzeitig ersuche ich, eine Besichtigung und Prüfung der Grube auf Dichtheit durch die städtische Baupolizei vornehmen zu lassen. Die Grube kommt ab 30.1.44 wieder in Benützung.“

Erkenntisse

In früheren Zeiten war es schon eine Errungenschaft, ein Plumpsklo im Haus zu haben. Und die Idee, das möglichst weit vom Haupthaus weg zu bauen, war ja auch gut. In Zeiten, in denen auch der Misthaufen aus den Tierställen im Hof lagerte, war das auch ganz normal, den menschlichen „Mist“ genau so zu entsorgen.

Es muss ganz schön gestunken haben in Erlangen. Viele Häuser hatten solche Klos. Das sollte noch eine ganze Weile so bleiben hier in der Altstadt.

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