Wann Sebastian Hannibal Savini verstorben ist, ist unklar. Jedenfalls gibt es diesen Eintrag im Steuerkataster von 1959 (auch aus dem Staatsarchiv Nürnberg):

Demnach gibt es einen Erbschein der Dr. Gertrud Savini 1955 als Erbin zur Besitzerin für das Haus Hauptstr. 109 macht. Es scheint auch sehr wahrscheinlich, das Gertrud Savini das einzige Kind von Sebastian und Eva war: im Militärdokument von Sebastian von 1918 wurde er mit Frau Eva und einem Kind beschrieben. Da war er bereits 45 Jahre alt.
Für Sebastian Hannibal Savini habe ich den letzten Eintrag im Erlanger Adressbuch von 1938 gefunden:

Das nächste auffindbare Erlanger Adressbuch ist von 1949. Da steht unter Savini nur noch folgender Eintrag

Also ist zu vermuten, dass Sebastian Hanibal Savini irgendwann zwischen 1938 und 1949 gestorben ist.
Schon vor dem ausgestellten Erbschein am 1.10.1955 beginnt sie mit der Modernisierung des Hauses. Natürlich ist die Abort-Situation nicht mehr zeitgemäß. Deshalb beantragt sie als erstes den Einbau von „Spül-Aborten“ mit dem Anschluß an den städtischen Abwasserkanal.
Hier die für die Genehmigung eingereichten Zeichnungen (alle aus dem Erlanger Stadtarchiv):



Am 27. Juni 1955 hat die Stadt den Plan mit Auflagen genehmigt: Die grünen Plankorrekturen sind genau zu beachten. Die alte Abortgrube ist zu entleeren, auszuchloren und mit reinem Sand oder Kies einzufüllen.
Verwunderlich ist ein Eintrag am 1.7.1955: „Alter Kanalanschluß war bereits vorhanden. Entfall 1 Hofschacht“ und weiter unten zur Bestätigung: „Kanalkostenbeitrag kommt nicht mehr zur Berechnung 6.7.1955“.
Es gab also schon einen Abwasserkanal im Haus mit Anschluß an die Stadt-Entwässerung. Nur wurde der offenbar nicht genutzt.
Übrigens schreibt das Stadtbauamt an „Studienprofessorin Dr. Gertrud Savini“ in der Hauptstr. 109. Der Baubeginn für den Einbau der Spül-Klos mit allen Wasser- und Abwasserleitungen bis zum Anschluß an die Stadtentwässerung war der 30. Juni 1955. Die abschließende Baukontrolle durch das Stadtbauamt Erlangen erfolgte am 15.8.1955, also 6 Wochen später.
Erkenntnisse
Professorin Dr. Gertrud Savini war offenbar die einzige Tochter von Sebastian Hannibal Savini und seiner Frau Eva. Sonst wäre sie nicht im Erbschein als Erbin erwähnt. Ihr Vater ist sehr wahrscheinlich schon Jahre zuvor gestorben. Jedenfalls hat sie die Modernisierung des Hauses durch den Einbau von WC im Erdgeschoß und im Obergeschoß in Angriff genommen. So ein massiver Eingriff ist aufwändig und hat sicher viel Geld gekostet. Und: Der Eingriff in die Bausubstanz war in 6 Wochen erledigt.
Das auch die Hauptstraße 109 noch bis bis 1955 ohne Spülklosett auskam, war in Erlangen damals nicht unüblich, sagt das Erlanger Stadt-Lesikon auf S. 328: „Der Einbau von Spülklosetts wurde mit dem Anschluß an die städtische Wasserleitung, die Kanalisation, sowie das Klärwerk zwar möglich, zählte aber erst nach dem 2. Weltkrieg zum sanitären Standard.“ Dabei war das Abwasser-Kanalnetz schon ab etwa 1883 ausgebaut. „Der Hauptsammelkanal verlief entlang der Haupt- und Nürnberger Straße in Nord- Südrichtung.“ (Erlanger Stadt-Lexikon S. 405). Danach wäre der Betrieb von Spülklosetts im Haus schon ab 1892 möglich gewesen. Erst dann gab es eine zentrale Wasserversorung in der Stadt. Damals wurden die Abwässer aber nur direkt in die Schwabach oder Regnitz geleitet. Die ersten Klärwerke sind 1951 in Erlangen entstanden, bis 1955 das heutige Klärwerk in der Bayreuther Straße in Betrieb ging.
Dr. Gertrud Savini war offensichtlich keine Handwerkerin. Im Adressbuch von 1949 findet sich aber unter der gleichen Adresse neben Gertrud auch Kunigunde Savini, Kunst- und Bauschlosserin. Die Schlosserwerkstatt wurde also weiter genutzt. Wer Kunigunde Savini war, ist mir noch nicht bekannt. Möglicherweise eine Verwandte. Savinis gab es in Erlangen und Franken nicht wenige, viele mit Metall-Berufen.


