Geschichte des Hauses 767 in Erlangen

Beim großen Erlanger Stadtbrand 1706 ist auch dieses Haus von Metzgermeister Waltz vollständig abgebrannt. Sehr schnell wurden die Häuser damals wieder aufgebaut. Die etwa 600 Bewohner der Altstadt hatten ja keine Bleibe mehr. Und wenn ohnehin fast alles neu gebaut werden muss, dann hat man damals gleich die Straßen begradigt, so dass manche Häuser neben ihrem ursprünglichen Kellern wieder aufgebaut wurden, auch das Haus 767.

So erging es auch dem Metzgermeister Waltz, der das Haus 767 in der Hauptstraße besaß. Er baute sein Haus 1707 als zweigädiges Haus (zwei Stockwerke) neu auf. Wir wohnen in diesem Haus nun auch schon mehrere Jahrzehnte. Und in den 300 Jahren vor uns, haben viele verschiedene Menschen hier gewohnt, Natürlich interessiert uns, wer hier wohnte, was das für Menschen waren, und was in diesem Haus passierte.

So richtig viele dieser Fragen können wohl nicht mehr beantwortet werden. Glücklicherweise gibt es aber Archive, in denen ich zumindest einige behördliche Dokumente gefunden habe. Die geben Auskunft über Besitzer, Besitzwechsel, Kaufpreise, Besitz und Steuern, die dafür zu zahlen waren. Aber auch über Umbauten auf diesem Grundstück. Meine Haupt-Quellen bisher: Das Grundbuchamt Erlangen, das Erlanger Stadtarchiv und das Staatsarchiv Nürnberg.

Bisher bin ich nur bis 1811 zurück fündig geworden. Dokumente aus der Zeit davor sollen im Staatsarchiv Bamberg liegen. Sobald ich die habe, werde ich die Infos hier ergänzen.

Ein paar generelle Erkenntnisse

Das Haus wurde wenige Jahre nach Errichtung geteilt verkauft. Die obere und untere Hälfte hatte unterschiedliche Besitzer. Trotzdem mussten sich beide um den Erhalt von Brunnen, Abort und Dach kümmern. Wohnungs-Eigentümer-Gemeinschaften gab es also auch schon im 18. Jahrhundert!

Fast immer waren es Handwerker, Handwerksmeister als Besitzer, die ihr Gewerbe wohl auch im Haus ausgeübt haben. Nach dem Metzgermeister, waren das etwa 100 Jahre lang Büttner. Danach waren es für etwa 120 Jahre Schlossermeister. Dann kaufte ein Offset-Druckermeister das Haus und baute eine Druck-Werkstatt ein.

Der Sohn des ersten Schlossermeisters kaufte das Haus 1911 seinen Eltern ab, um es selbst als Schlossermeister zu nutzen. Seine Eltern lebten danach als Privatiers weiter. Der Sohn hat also nicht aufs Erbe gewartet!

Erst 1955 wurden hier im Haus Spülklosetts eingebaut und an die städtische Kanalistaion angeschlossen. Bis dahin gab es nur ein Plumpsklo am Ende des Laugengangs im ersten Stock.

Von 1959 bis 1967 hat das in Erlangen bekannt Kaufhaus Heka das ganze Haus gemietet. Wofür die das Haus genutzt haben, ist leider überhaupt nicht bekannt.

Grafische Übersicht

Zur besseren Orientierung habe ich die wichtigsten Fakten in dieser Grafik dargestellt. (Die Angaben bis 1811 sind noch nicht mit Dokumenten hinterlegt, das folgt noch.)
Die kleinen orangenen Papierfahnen sind mit dem erklärenden Beitrag im Blog verlinkt.

Schlußbemerkung

Einerseits interessiert uns die Historie unseres Hauses. Andererseits ist das auch ein zeitgeschichtliches Dokument aus der Erlanger Altstadt. Zwei gute Gründe für die Zusammenstellung der schriftlich festgehaltenen Ereignisse dieses Hauses 767, heute Hauptstr. 109.

Falls Du auch Informationen zu diesem Haus, den Bewohnern oder den Nachbarn hast, freuen wir uns über Deine Nachicht!

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