Mein Opa Paul Pape als Postschaffner

Mit 24 Jahren wurde mein Opa Paul Pape 1920 als „Postschaffner“ eingestellt. Beim Postamt Berlin Wilmersdorf war er zunächst als Briefträger eingesetzt – für ein Gehalt von 1200 Mark plus Wohngeldzuschuß von 480 Mark jährlich.

Interessant ist die Ziffer 2 der Bedingungen:
Bei der planmäßigen Anstellung wird vorausgesetzt, daß der Anwärter nicht verschuldet ist. Wenn sich während der Probezeit das Gegenteil ergibt, oder wenn sich der Anwärter Unregelmäßigkeiten zuschulden kommen läßt, sich unordentlich führt oder unzuverlässig erweist oder es an der erforderlichen Beweglichkeit und Umsicht fehlen läßt, tritt Entlassung ein.

Im Nachlaß meines Opas findet sich dieses Bild. Ob er einer von den Abgebildeten ist, kann ich nicht erkennen. Aber die Vermutung liegt nahe, dass er als Briefträger das Fahrrad genutzt hat.

Unter dem Titel „Niemals radlos – das Fahrrad bei der Post“ gibt es gerade im Berliner Museum für Kommunikation eine Sonderausstellung. Etwa um 1900 begann die Briefzustellung per Fahrrad. Dafür mussten die Briefträger das Radfahren erst erlernen. Spezielle Postfahrräder wurden hergestellt. Eine Exemplar steht mit Posthorn-Kennzeichen in der Ausstellung.

Galerie 2007 und 0247

Dienstanweisung für Fahrrad-Nutzung

Natürlich gab es in der deutschen Reichspost auch klare Anweisungen für Nutzung und Betrieb der Dienstfahrräder, von denen es 1920 etwa 12.000 gab. Ein Auszug aus der „Allgemeinen Dienstanweisung für Post und Telegraphie“ liegt im Museum aus. Hier ein paar Seiten daraus:

Wieviel von den Postbeamten bei Benutzung des Rades verlangt wurde, ist unter III. Reinigung und Instandhaltung zu lesen:

Das Rad ist täglich zu reinigen. Bei feuchtem Wetter und durchgehender Benutzung muß es mindestens zweimal täglich von Schmutz und Nässe gesäubert werden.
Der Schmutz und die Ölflecke sind mit trockenem Wollappen abzuwischen. Die Räder dürfen nicht mit Wasser abgespritzt werden.
Besonders gründlich sind die Räder zu reinigen, bevor sie der Fahrradwerkstatt zur Instandsetzung übverweisen werden.
Alle blanken Teile sind mit einem leichten Überzug aus säurefreiem Knochenöl zu versehen. Roststellen sind vorher mit einem leicht mit Petroleum getränkten Lappen einzureiben. Die im Steuerkopf und Sitzrohr steckenden Schaftrohre des Lenkers und der Sattelstütze müssen ebenfalls leicht geölt werden.“

Weiter geht es mit Vorschriften für regelmäßiges Ölen der Lager, und mit dem Prüfen der Speichen auf richtige Spannung, dem täglichen Reinigen und Ölen der Rollenkette, usw. Was da täglich zu erledigen war, erforderte ganz schön viel Zeit. Ob das immer so penibel eingehalten wurde, ist leider nicht überliefert. Und meinen Opa habe ich damals leider nicht dazu befragt.

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