Von meinem Urgroßvater Anton Pape gibt es nur noch Informationen aus amtlichen Dokumenten, die ich hier schon dargestellt habe. Über sein tatsächliches Leben wissen wir nichts Konkretes. Aber über das Leben der Menschen in Berlin um 1900 und über seine Haupt-Wohngegend Prenzlauer Berg habe ich einige Informationen gefunden.
Arbeiten in Berlin um 1900
Anton lebte zur Zeit der stetig wachsenden Industrialisierung in Berlin. Sein noch ganzheitlich erlernter Weber-Beruf wurde in Fabriken nun mit Maschinenunterstützung „arbeitsteilig“ von Arbeitern mit möglichst einheitlichen Handgriffen ersetzt. Und das bei Arbeitszeiten für Männer in der Regel von 10 bis 11 Stunden pro Tag an 6 Tagen die Woche, die bis 1914 auf 9 ½ Stunden sank. Für Jugendliche und Frauen wurden höchstens 10 Stunden am Tag erlaubt. Viele Unternehmen verlangten aber trotzdem längere Arbeitszeiten. Wer nicht mitmachen wollte, konnte leicht durch einen anderen Arbeitssuchenden ersetzt werden.
Wohnen in Berlin um 1900
Zu Lebzeiten von Anton wuchs Berlin extrem schnell. 1850 gab es etwa 400.000 Einwohner, 1875 über 960.000 und 1900 waren es schon 1,89 Millionen in Berlin. Das entspricht einem durchschnittlichen Zuwachs von 37.200 Berlinern pro Jahr in den 25 Jahren bis 1900, also jährlich etwa einer größere Kleinstadt. In Berlin wurden damals ganze Stadtteile neu geplant und mit Wohnhäusern bebaut. „Miets-Kasernen“ mit Hinterhöfen entstanden. Nach dem Hobrecht-Plan entstanden viele Häuser mit 18 m Straßen-Breite und 50 m Tiefe für 2 bis 3 Hinterhöfe. Die Zahl der Wohnungen stieg aber sehr viel langsamer als die Zuwanderung in die Stadt. Das knappe Gut Wohnung ließ sich also immer teurer vermieten.
Das führte zu immer kleineren Wohnungen, die sich die Leute noch leisten konnten. Ganze Familien lebten in 1 bis 1 ½ Zimmer-Wohnungen. Die eigenen Betten wurden an Schlafburschen vermietet, um sich die Miete überhaupt leisten zu können. Hier ein Bericht aus der Mainzer Straße zu der Zeit.
Nur zum Vergleich: Berlin ist in den letzten 25 Jahren, also von 2000 bis 2025 ebenfalls stark gewachsen: Von 3,4 auf voraussichtlich 3,87 Millionen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Einwohnerzuwachs von 18.800 Berlinern. Das ist die Hälfte von damals in der inzwischen sehr viel größeren Stadt. Auch wir erleben derzeit eine starke Mieten-Steigerung, weil der Bau von Wohnungen mit dem Zuwachs nicht mithalten kann. Im Vergleich zu damals trifft das heute aber auf eine eher reiche Stadtgesellschaft.
Hausarbeit um 1900
Wer eine Wohnung hatte, der musste auch damals Wäsche waschen, Essen zubereiten, sauber machen und im Winter Öfen heizen. Nur gab es damals keine Waschmaschine, keinen Geschirrspüler, und nur einen Holzofen als Herd. Jegliche elektrisch betriebenen Küchenhelfer fehlten, alles musste von Hand erledigt werden. Nur wenige konnten sich einen „Eisschrank“ leisten, der wöchentlich mit einem neuen Stück Eis beliefert wurde. Das Essen musste immer frisch zubereitet werden, vorgefertigte Speisen gab es noch nicht. Also viel Arbeit für die Hausfrauen damals.

Zum Beispiel beim Wäsche waschen: Noch um 1850 war es üblich, etwa alle 6 bis 8 Wochen Wäsche zu waschen. Hygienische Aufklärung führte dann zu einem häufigeren Wechsel der Wäsche. Die meisten hatten aber kein Geld für zusätzliche Kleidung, sie mussten also öfter waschen. Wöchentlich war die kleine Wäsche dran, alle 3 Wochen die große. Große Wäsche dauerte von Samstagnachmittag bis Sonntagabend! Dazu trafen sich die Hausfrauen aus den Mietshäusern zum gemeinsamen Waschen. Nur die wenigen, die es sich leisten konnten, gaben ihre Wäsche zur Wäscherei.
Deshalb bestanden die Hausfrauen damals auf den „Schlafmützen“: Damit die Kissen nicht so schnell verschmutzen, forderten sie von ihren Männern das nächtliche Tragen.
Um 1900 gab es fast nur Gasbeleuchtung oder Petroleum-Lampen und kaum elektrisches Licht in den Wohnungen. Und schon gar keine elektrischen Geräte, wie Staubsauger. Wer einen Teppich hatte, musste den also anders sauber halten. Dafür gab es im Hof die Teppich-Klopf-Stange, über die der Teppich regelmäßig gehängt wurde. Mit einem aus Rohr geflochtenen Klopfer wurde Sand und Staub aus dem Teppich geschlagen.
Kindererziehung damals
In den Arbeiterfamilien hatte man keine Zeit für Kinder. Selbst die Mütter mussten neben der Hausarbeit oft noch arbeiten, um das Geld für Essen und Miete zusammenzubekommen. Platz war in den kleinen Wohnungen ja auch nicht. Kinder mussten also auf der Straße spielen, wenn sie nicht zum Arbeiten geschickt wurden. Auf Berliner Hinterhöfen kann ich mich noch an solche Schilder erinnern: „Ballspielen im Hof verboten“. Kinder wurden eher wie noch unfertige Erwachsene angesehen, die auch ihren Anteil am Lebensunterhalt für und der Arbeit in der Familie beizutragen haben. Obwohl es schon seit dem 18. Jahrhundert eine Schulpflicht in Preußen gab, war der Schulbesuch für viele arme Familien nicht selbstverständlich. Kinder sollten ja mithelfen Geld zu verdienen.
Gesundheit und Krankheit
Für alle Arbeiter bis zu einem Einkommen von 2000 Mark im Jahr – das waren praktisch alle Arbeiter – gab es eine Pflichtversicherung für den Krankheitsfall. Aber das medizinische Wissen war noch begrenzt. Die Wohn- und Arbeitsverhältnisse für die Arbeiterfamilien waren oft ungesund. Die Enge in den Wohnungen und Häusern, die langen Arbeitszeiten ohne Erholungszeiten und der Geldmangel für gute Ernährung begünstigten das Krankwerden. Besonders Kinder starben häufig in jungen Jahren. Für Frauen war das Kinderbekommen damals nicht ungefährlich, viele starben bei oder nach der Geburt. Anton und Marie bekamen insgesamt 4 Söhne und 2 Töchter. Beide Töchter starben sehr jung, Martha Frida mit 6 Monaten, und Hedwig Gertrud mit 3 Jahren. Marie hat die Geburten der 6 Kinder aber glücklicherweise überstanden.
Freizeit?
So etwas wie Freizeit gab es für die Arbeiterfamilien damals praktisch nicht. Wer aber mal aus der Enge der Wohnung verschwinden wollte, dem boten sich die unzähligen Eckkneipen in Berlin an. Für manche war das der Wohnzimmer-Ersatz. Wo sollte man auch sonst hin, wenn man mal raus wollte. An Urlaub war in der Zeit nicht zu denken. Dafür fehlte das Geld und die Zeit.
Ihr „Ansehen“ war den Menschen wichtig
Bei der Kleidung fing das an: Wer in sauberen Kleidern rumlief, der schien erfolgreich und auch gesund. Saubere Kleidung war ein Signal für Hygiene. Die Wohnetage war auch wichtig: Wer es sich leisten konnte, wohnte im Vorderhaus und dort in der „Belle Etage“. Das war die Wohnung im ersten Stock, meist aufwändig mit Stuck versehen. In einem Berliner Museum wird eine Einzimmer-Wohnung im Ersten Stock Vorderhaus gezeigt – ohne Küche, ohne Wasser. Das alles entbehrte man, nur um zu zeigen man wohnt in der Belle Etage!
Und von den Hausfrauen sagt man, dass sie tagsüber einfach mal über die Straße schlenderten, um zu zeigen, dass sie es sich leisten können nicht zu arbeiten. Danach gingen sie schnell wieder rein um weiter die Kartoffeln zu schälen.
Dazu gehört auch die Einrichtung und das Nicht-Benutzen der Guten Stube, oder auch „Kalte Pracht“ genannt. Wer ein wenig mehr Platz in der Wohnung hatte, der richtete die gute Stube repräsentativ ein, um bei Besuchern Eindruck zu schinden. Diese gute Stube durfte aber nur zu Repräsentationszwecken genutzt werden, also nur zu Feiern oder wichtigen Besuchen – auch wenn die Wohnung noch so eng war.

Weitere Hinweise zum Leben in Berlin um 1900
Häuser, Wohnungen, Möbel und Gebrauchsgegenstände von damals reichen Menschen sind in Museen mehrfach zu finden. Ein sehenswertes Beispiel ist das Pankower Museum in der Heynstraße.
Das Leben der einfachen Leute wird kaum dargestellt. Die Gegenstände sind ja auch nicht so wertvoll, deshalb wurden sie wohl auch schneller entsorgt. Ein sehr sehenswertes Beispiel für das Leben eines Handwerkers zu der Zeit gibt es aber auch in Pankow: Eine wie damals eingerichtete1 ½ Zimmer-Wohnung in der „Belle Etage“ eines typischen Hauses in der Dunckerstraße.
Statistische Informationen über Berlin 1900 gibt es hier. Die Wohnungsituation um 1900 in Berlin wird hier beschrieben.
Antons Wohngegend Prenzlauer Berg
Ich beschränke mich hier nur auf die Zeit von 1893 bis 1917. Da wohnte Anton mit seiner Familie an vier verschiedenen Orten in Prenzlauer Berg. Wie das dort damals wirklich aussah, dass weiß ich nicht. Aber vielleicht hilft der Blick auf die Gegend heute ein wenig. Jetzt fallen die großen alten Bäume auf, die damals aber gerade erst gepflanzt wurden. Eine Neubau-Siedlung war das damals. Mit aufwändig gestalteten Häusern an der Straßenfront und edlen Wohnungen im Vorderhaus, die reichere Mieter anziehen sollten. In den Häusern um die Hinterhöfe waren die kleineren und sparsam ausgestatten Wohnungen für die vielen Arbeiterfamilien, die damals wegen der Industrie-Arbeitsplätze nach Berlin kamen.
Antons Wohnorte
1893 wohnte er in der Weißenburger Straße 49.
Die Weißenburger Straße heißt heute Kollwitzstraße, und die damalige Hausnummer 49 ist die heutige 95. Das Haus steht noch:

Das Berliner Adressbuch von 1893 zeigt unter „Pape“:

Das große H am Ende steht für Hof, die römische I für 1. Stock. Anton hat also mit Familie im Hinterhaus gewohnt.
Die Berliner Adressbücher damals hatten auch eine Rubrik „Verzeichniß sämmtlicher Häuser Berlins mit Angabe der Eigenthümer und Miether …„. Im gleichen Adressbuch von 1893 steht unter Weißenburgerstraße folgender Eintrag:

Damals wurden die Berufe bei allen Eintragungen ganz selbstverständlich mit angegeben. Das gibt uns heute Hinweise auf die Bewohner des Hauses Weißenburger Straße 49. Ganz oben unter E wie Eigentümer, steht der Tischler Rißmann, der aber in der Weißenburger Straße 50, im Nachbarhaus wohnt.
Christiansen war Kaufmann,
Dembretzky war Gastwirt,
Ehrlich war Kaufmann,
Henning war Milchpächter (eine Art Großhändler für Milchprodukte),
Müller, A. war Witwe,
Otto war Apotheker,
Pape war Weber,
Schmidt war Bank-Beamter,
Schücham war Steuer-Aufseher,
Zuppke war Magister Seh.
Die 10 aufgeführten Mieter sind ungewöhnlich wenig für so ein Haus mit Hinterhäusern. Die aufgeführten Berufe deuten eher auf wohlhabendere Mitbewohner hin. Anton war der einzige Handwerker.
1895 wohnte Anton mit Familie in der Pappelallee 40
Die Pappelallee heißt heute noch so, auch die Hausnummern sind die gleichen wie damals. Nur wurde das Wohnhaus von Anton schon 1905 durch ein neues Gebäude für die Gemeinde-Doppelschule in der Pappelallee 40 ersetzt. Das Schulgebäude zog sich hinten bis zur Lychener Straße. Dort sind noch alte schulähnliche Gebäude zu erkennen. Heute ist das Schulgebäude an der Pappelallee nicht mehr vorhanden. Dort sind derzeit zwei Kindergärten in neuen Gebäuden untergebracht.
Erst 1896 taucht Anton im Berliner Adressbuch unter Pape auf:

Auch hier wohnte die Familie auf dem Hof, diesmal im zweiten Stock. Hier sind mehr Mieter aufgeführt:

Abgesehen von E (Eigentümer) und V (Verwalter), waren folgende Mieter unter der Adresse Pappelallee registriert:
Blumberg, G. Hutmacher
Dannert, F., Barbier
Durstewitz, C., Schneidermeister
Finzenhagen, P., Pferdebahn-Schaffner
Gerwanski, K., Invalide
Göden, F., Bäckermeister
Hanske, F., Kammmacher-Meister
Leder, D., Witwe
Martin, L., Plätterin
Pape, A., Weber
Schäbitz, H., Former
Thiemann, P., Cigarren-Fabrikant
Wernicke, W., Zimmermann
Diesmal bestand die Hausgemeinschaft aus 9 Handwerkern, einem Fabrikanten (sicher im Vorderhaus) und 3 weiteren Mietern.
Wohnort 1897: Stargarder Straße 17
Hier wird Anton mit Familie länger bleiben. Die Stargarder Straße befindet sich immer noch im gleichen Kiez, auch die Hausnummer hat sich nicht geändert.

1897 taucht Anton Pape gar nicht im Berliner Adressbuch auf. Vielleicht war ja sein Umzug zu spät für den Redaktionsschluss. Wir finden aber die anderen Mieter, die 1987 in der Stargarder straße 17 gewohnt haben:

Nach Eigentümer und Verwalter sind das Hauptmieter mit folgenden Berufen:
Näherin,
Dachdecker,
Maurer,
Gärtner,
Maler,
Maurerpolier,
Tischler,
Tischler,
Pferdebahn-Kutscher,
Tapezierer,
Maurer,
Handelsmann,
Schlosser,
Handelsmann,
Elfenbein-wfbr. (?)
Instrumentenmacher,
Tapezierer.
Das sind 14 Handwerker und 3 andere, die mit ihren Familien dort wohnten. 1900 zeigt das Adressbuch 12 Handwerker, und 1912 sind es 8 Handwerker. Die anderen sind aber jeweils fast alles Arbeiter, wie Briefträger, Nachtwächter oder Straßenbahn-Führer. Die Hausgemeinschaft in der Stargarder Straße repräsentierte eher die Arbeiter-Familien.
Die letzte Eintragung für Anton in der Stargarder Straße 17 findet sich im Berliner Adressbuich 1914. Sein Vorname erscheint hier mit einem Schreibfehler:

1915 Umzug in die Lychener Straße 19
Eintragung im Berliner Adressbuch 1915, wieder mit der Angabe Hof, also Hinterhaus:

Auch die Lychener Straße ist noch immer im gleichen Kietz. Das Haus steht auch noch. Nur die Hausnummern zählen anders als damals. Die alte Nummer 19 hat heute die Hausnummer 52.


Hier waren 1915 viel mehr Mieter aufgeführt:


Diese Berufe hatten die 31 Mieter der Lychener Straße 19 laut Adressbuch 1915:
Briefträger / Waschfrau / Schneiderin / Bierfahrer / Straßenreiniger / Schneider / Polizei-Beamter / Brauereiarbeiter / Zimmermann / Malermeister / Straßenreiniger / Schlosser / Metallarbeiter / Tapezierer / Laternenwärter / Dichter / Schneider / Lackierer / Kutscher / Schneider / Chauffeur / Gasarbeiter / Polizei-Beamter / Schmiedemeister / Putzmacherin / Maurer / Straßenreiniger / Möbelpolier / Vergolder. Ein Mieter ist als Invalide und einer als Rentenempfänger aufgeführt.
Wieder wohnte Anton mit Familie in einer Hausgemeinschaft mit überwiegend Arbeiterfamilien.
Mein Fazit
Die Spurensuche nach Indizien für das Leben meines Urgroßvaters in Berlin läßt mich vermuten, dass es für Anton Pape nicht leicht war, sich und seine Familie zu ernähren. Die sieben Umzüge machte er sicher nicht ganz freiwllig. Wahrscheinlich ist seine jeweilige Miete damals so stark gestiegen, dass er sich immer wieder eine neue bezahlbare Wohnung suchen musste. In Prenzlauer Berg wohnte er zu Beginn mit wenigen vermutlich besser bezahlten Menschen zusammen. Am Ende in einem Haus mit vielen einfachen Arbeitern.
Auch sein Berufswechsel vom Weber zum Laternenwärter ist ein Hinweis auf die damals zunehmende Unattraktivität von industrieller Arbeit mit langen Arbeitszeiten, die er als Weber damals vermutlich annehmen musste. Auch als Laternenwärter hat er sicher nur wenig Geld verdient. Er musste sich offenbar sehr anstrengen, um seine Familie zu ernähren. Meine Hochachtung ist gewachsen, auch vor seiner Frau Marie, die damals auch ohne Waschmaschine, ohne Geschirrspüler, ohne Kühlschrank die Familienarbeit erledigte! Wir können uns das heute wohl kaum richtig vorstellen.

Die Gegend Prenzlauer Berg heute, gut 100 Jahre später
Früher war Prenzlauer Berg ein Arbeiter-Stadtteil. Die Reichen wohnten in Charlottenburg, Schöneberg oder Wilmersdorf. Glücklicherweise blieben im zweiten Weltkrieg viele Prenzlauer-Berg-Häuser stehen. In der DDR-Zeit gab es zwar Abriss-Pläne, die aber nie umgesetzt wurden. Die Häuser wurden dort aber auch nicht gepflegt. Toiletten waren häufig noch auf „halber Treppe“ für die ganze darüber liegenden Etage. Einige Häuser waren so marode, dass sie leer standen. In der Oderberger Straße hat die DDR-Führung Jugendliche und Künstler eingeladen die heruntergekommenen Häuser zu übernehmen. Die haben die Häuser in Eigenregie wieder notdürftig bewohnbar gemacht. Daraus entstand eine für die DDR ungewöhnliche alternative Szene.
In den 80er Jahren kam in ganz Deutschland, also auch in der DDR, alles Preußische wieder in Mode. Deshalb übernahm die DDR die möglichst historische Sanierung der Häuser in der Husemannstraße. Allerdings wurden nur die Straßenfassaden ansehnlich hergerichtet. Viele kleine Läden sollten Touristen anziehen. Alles was man heute in der Husemannstraße sieht, ist also in der DDR-Zeit entstanden. Ob das um 1900 wirklich so ausgesehen hat ist unklar. Über die Husemannstraße ist 1988 ein Film entstanden.
Dank der noch stehenden alten Häuser – wenn auch in sehr schlechtem Zustand – haben Investoren nach der Wende 1989 fast alle Häuser in Prenzlauer Berg aufwändig saniert. Edle gut ausgestattete Wohnungen ziehen noch immer finanziell gut gestellte Familien an. Kinderwagen, Lastenräder und Bio-Läden prägen heute den Prenzlauer Berg. Der durchschnittliche Kalt-Mietpreis pro m² kostet 2025 15,77 €, die höchsten m²-Preise liegen bei 30 € pro Monat!





