45 Brücken für 45 Gleise nebeneinander haben einmal die Yorckstraße in Berlin überspannt. Heute unterfährt man noch immer 24 davon. Nur noch ganz wenige werden von der Eisenbahn genutzt. Was muss das für ein Bahngelände damals gewesen sein, dass so viele Gleise über diese Straße brauchte? Kann man heute noch Spuren des damals wohl großen Bahn-Areals finden?
Die Yorck-Brücken machen neugierig
Einladend wirkt die Yorckstraße nicht gerade. Lauter Verkehr, vierspurig unter rostendem Stahl. Von einigen Brücken ragen nur noch die gusseisernen Stützen in den Himmel. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man kleine Schmuckelemente an Säulen und Geländern. Das waren nicht nur funktionale Brücken – die Erbauer wollten auch ihren Stolz auf diese technischen Bauwerke zeigen, in dem sie die schön gestalteten. Wenn man sich den Rost wegdenkt, dann lässt sich ein wenig Schönheit der Konstruktion erahnen.









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Die Yorck-Brücken sind Denkmale
Die noch erhaltenen Brücken sind bis zu 150 Jahre alt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs Berlin sehr schnell. Die damals neue Industrie-Metropole zog viele Menschen und viele Unternehmen nach Berlin. Personen und Waren wurden damals hauptsächlich mit der Bahn transportiert. Berlin hatte mehrere Fernbahnhöfe, damals am Rande der Stadt. Im Süden waren das der Dresdner Bahnhof, der Potsdamer Bahnhof und der Anhalter Bahnhof. Die drei lagen sehr dicht beieinander. Sie wurden von unterschiedlichen Eisenbahngesellschaften betrieben, jede hatte ihren eigenen Bahnhof und ihre eigenen Gleise. So wurden die Brücken über die Yorckstraße auch von verschiedenen Gesellschaften zu unterschiedlichen Zeiten gebaut.
Eine sehr anschauliche Erklärung zur Restaurierung der Yorck-Brücken findest Du hier.
Neben den Gleisen zu Personenbahnhöfen waren viel mehr Gleise zu Güterbahnhöfen nötig. Auch musste das rollende Material musste gewartet werden. Dafür braucht man große Werkstätten mit Gleisanschluss für Dampfloks und Eisenbahnwagen. Das alles konzentrierte sich in der Nähe der Endbahnhöfe auf dem großen Gelände nördlich und südlich der Yorckstraße.
Anhalter Bahnhof
Der größte der drei Bahnhöfe war damals der Anhalter Bahnhof. Von dem steht heute nur noch der relativ groß wirkende Eingangsbereich als Ruine. Tatsächlich war das Bahnhofsgebäude bis zum zweiten Weltkrieg aber sehr viel größer. Der heute noch riesige Platz dahinter lässt die Größe der Bahnhofshalle erahnen.


Daten und Bilder zum Anhalter Bahnhof wurden von Friedrichshain-Kreuzberg TV hier zusammengestellt
Das Bild zeigt die mondäne Vorderseite des Anhalter Bahnhofs. Alle Fernbahnhöfe in Berlin waren damals Kopf-Bahnhöfe. Die Dampfloks mussten also gewendet und für die nächste Fahrt an die andere Seite des Zuges gekoppelt werden. Auch musste die Schlacke entfernt werden, und neue Kohle und Wasser geladen werden. Dafür brauchte man auf der hinteren Bahnhofseite Platz und Gleise. Ein 7 Minuten-Video, KI-generiert, zeigt wie das damals ausgesehen haben kann:
Riesige Gleisanlagen
Wie die Gleisanlagen südlich dieser drei Bahnhöfe seit 1840 gewachsen sind, kann man hier auf der interaktiven Grafik vom Berliner Zentrum für Industriekultur mit dem Slider erleben (Karte erkunden). Wie man auf der Straßenkarte auch ahnen kann, sollte die Yorkstraße nach den Stadtplanern damals schnurgerade durchgehen. Das hätte aber noch mehr Brücken erfordert, deshalb hat man die Yorckstraße damals einen Bogen nach Süden machen lassen.

Eisenbahnspuren in Natur-Parks
Der Schöneberger „Natur Park Südgelände“ ist inzwischen ein Wald auf Eisenbahn-Grund. Der S-Bahnhof Priesterweg führt am südlichen Ausgang direkt in dieses alte Gelände mit Wasserturm, Lokschuppen, Wasserkranen – und unendlich vielen Gleisen. Gleise sind allerdings nur noch vereinzelt zu erkennen, weil sich Bäume und Büsche auf und zwischen ihnen ihren Platz gesucht haben. Einige wenige Gleise wurden zu Fußwegen durch das urwaldähnliche Gelände ausgebaut. Auch dort muss man mit Bäumen im Gleis rechnen.
Künstler haben dort Werke ausgestellt, die irgendwie zum Eisenbahn-Material passen. Und eine alte Gleis-Untertunnelung durften Graffiti-Künstler gestalten. Das ist wohl noch immer erlaubt, frische Spraydosen finden sich im Abfall. Ein Park, nicht nur für den Sonntags-Spaziergang, auch für Kinder gut geeignet. Dieser Teil des Geländes ist eingezäunt, und ein Automat bittet um 1 € Eintritt. (Ich habe den bisher aber nur defekt erlebt.)









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Der eingezäunte Bereich des Naturparks zieht sich bis kurz vor den Bahnhof Südkreuz. Die nächste S-Bahnstation heißt Yorckstraße. Die liegt wieder mitten in einem Parkstreifen mit alten Eisenbahnanlagen, dem „Park am Gleisdreieck“. Der zieht sich auf der einen Seite bis zum Anhalter Bahnhof hin, am Technik-Museum vorbei. Das Technik Museum nutzt übrigens auch viele der alten Bahnschuppen.


