
Etwa zum 100. Geburtstag kam in diesem Sommer auch die Anerkennung als Weltkulturerbe. Die Berliner hatten schnell einen eigenen Namen für die in den 1920er Jahren entstandenen Häuser: Papageien-Siedlung nannten sie das eigenwillige in dezentem Grün, Gelb und Blau gehaltene Ensemble. Bruno Taut war der Haupt-Architekt dieser für damalige Verhältnisse völlig ungewöhnlichen Bauweise und Farbgebung. Teile der Siedlung gestalteten auch die Architekten Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg, die sich aber dem Stil von Bruno Taut anpassten.




1900 Wohnungen entstanden von 1926 bis 1932


Rund um den heutigen U-Bahnhof „Onkel Toms Hütte“ entstanden damals 1100 Wohnungen und 800 Einfamilienhäuser für 15.000 Menschen! Die Häuser sollten nach Bruno Taut ganz bewusst die Nachteile der Mietskasernen vermeiden. Viel Licht, viel Grün, viel Sonne und gute Nachbarschaft sollten hier bautechnisch realisiert werden. Jeder Erdgeschoß-Mieter hat 200m² Garten bekommen. Bruno Taut sieht den als „Außenwohnraum“. Die Wohnungen in den mehrgeschossigen Bauten haben alle nur 2 ½ Zimmer zwischen 85 und 104 m². Nur in den Einfamilienhäusern gibt es 3 ½ und 4 ½ Zimmer-Wohnungen. Für damalige Verhältnisse noch ungewöhnlich: Jede Wohnung hat eine eigene Küche und ein Bad mit Toilette.




Flachdächer statt Spitzgiebel
Diese riesige Menge an Häusern sollte bezahlbar bleiben. Wiederkehrende Grundrisse, Fensterformen und Türen sorgten für eine wirtschaftliche Bauweise. Trotzdem sorgt Anordnung und Gestaltung der Häuser nicht für gleichförmige Langeweile. Da spielen auch die behutsam eingesetzten Farben eine wichtige Rolle. Zum Beispiel sind Fensterrahmen fast nie einfarbig. Fenster sind manchmal ungewöhnlich geteilt.
Alle Häuser dieser drei Architekten haben Flachdächer. Was aber den traditionellen Architekten gegen den Strich ging. Deshalb gab es die Gegenbewegung mit Spitzdächern in traditioneller Bauweise von Einfamilienhäusern gleich daneben.




Mittendrin die U-Bahn-Station Onkel Toms Hütte
Aus die U-Bahn wurde vor etwa 100 Jahren duch die Siedlung gebaut. Ebenfalls mit einem ungewöhnlichen Konzept: Zwei „Ladenstrassen“ rahmen die U-Bahngleise am Bahnhof ein. Sie fallen ab bis auf das tiefer liegende U-Bahn-Niveau. In der Mitte war damals ein Kino, so dass man mit der U-Bahn direkt zum abendlichen Vergnügen kam. Das alte Kino wird heute von ALDI als Verkaufsfläche genutzt.
Auch auf den abschüssigen Streifen der Ladenstrasse gibt es Läden. Die Ansicht ist gewöhnungsbedürftig:



Fazit:
Auch als alter Berliner ist mir die Waldsiedlung nie als etwas Besonderes aufgefallen. Vielleicht waren die Häuser früher auch nicht so schön frisch und sauber gestrichen. Heute sieht das so sauber aus, als wären die Häuser gerade erst fertig geworden. Bäume, Grünflächen und Gärten zwischen den Häusern machen Lust aufs Hier-Wohnen. Die markanten Formen und Farben wirken auch heute noch sehr modern.



