Neuruppin – die preußischste Stadt?

70 km nordwestlich von Berlin liegt Neuruppin, eine Stadt mit 30.000 Einwohnern. Idyllisch gelegen am großen Ruppiner See mit einladender Strand-Promenade. In den Beschreibungen wird Neuruppin als „preußischste Stadt“ angepriesen. Ich wollte wissen, was dort so typisch preußisch ist.

Breite, aufgeräumt wirkende Straßen, und sehr große Plätze – das fällt beim Gang durch die Altstadt hinter der noch weitgehend vorhandenen Stadtmauer auf. Eine wirklich großzügig gestaltete Stadt, die sich sauber und adrett präsentiert. Fast alle Häuser wirken renoviert und haben einen ziemlich neuen Anstrich in hellen Farben.

Der preußische Ruf scheint aber dem streng geometrischen Stadtbild geschuldet. Das entstand in Folge des großen Stadtbrandes 1787. Die damalige Garnisonsstadt wurde nach preußischen Regeln für rechtwinklige Straßenzüge, große Plätze und vorgegebenen Geschoßzahlen und Dachneigungen wieder aufgebaut. Damit hat Neuruppin etwas mit Erlangen gemeinsam: Hier wurde die „Planstadt“ nach der Ankunft der Hugenotten 1686 mit geraden Straßen, großen Plätzen und einheitlichen Gebäuden gebaut. Nur sind die Straßen in Erlangen lange nicht so breit, und die Plätze nicht so groß wie in Neuruppin.

Viellicht lag es auch daran, daß Neuruppin eng mit dem preußischen König verbunden war. Der spätere „Friedrich der Große“ war als Kronprinz Regiments-Kommandeur in Neuruppin. Königliche Truppen waren hier in großen Backstein-Kasernen stationiert. Offensichtlich brauchten die viel Platz auf den Straßen und Plätzen. Die großzügige und übersichtliche Anlage der Stadt war aber sicher auch ein stolzes Zeichen preußischer Ordnungsvorstellungen. Das wirkt auch heute noch.

Bild: KhPape CC BY
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Preußische Häuser

Sehr ähnlich sehen sie aus, die historischen Häuser im Ortskern. Die Neuruppiner Altstadt ist weitgehend erhalten geblieben. Die Häuser wurden nach der Wende intensiv saniert. Die typisch gestalteten Fenster-Laibungen sind wieder hergestellt. Die Außenwände erscheinen in unterschiedlichen Pastellfarben. Offenbar gibt es eine spezielle Türform, die noch immer in vielen Häusern sichtbar ist – immer mit kreisrunden Ornamenten in verschiedener Ausführung.

Bild: KhPape CC BY

Fontane-Stadt Neuruppin

Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 in Neuruppin als Sohn des Apothekers Louis Henry Fontane geboren. Er wohnte dort nur bis zum 7. Lebensjahr mit seinen Eltern, die dann nach Swinemünde zogen. Er kam von 1832 bis 1833 noch einmal nach Neuruppin um ins Gymnasium zu gehen. Mit 13 zog er aber nach Berlin um dort die Gewerbeschule zu besuchen. Er sollte – wie sein Vater – Apotheker werden.

Theodor Fontane war aber kein Kleinstadt-Mensch. Ihn zog es an die verschiedensten Orte als Journalist, Kriegsberichterstatter, Essayist und Korrespondent. Trotzdem schrieb er mehrfach über die Mark Brandenburg, wohl auch in Erinnerung an seine Zeit in Neuruppin.

Bild: KhPape CC BY

Schinkel ist auch in Neuruppin geboren

Karl Friedrich Schinkel wurde am 13. März 1871 in Neuruppin geboren. Auch er verbrachte nur seine Kindheit hier. Da sein Vater schön früh verstarb, wurde der Neuruppiner Bürgermeister Noeldechen sein Vormund. Der erkannte bald seine künstlerische Begabung und empfahl ihn dem Oberbaurat David Gilly in Berlin als Architektur-Schüler.

Fontane schrieb über Schinkel:

Sein Charakter nahm früh ein bestimmtes Gepräge an; er zeigte sich bescheiden, zurückhaltend, gemütvoll, aber schnell aufbrausend und zum Zorn geneigt. Eine echte Künstlernatur. Auf der Schule war er nicht ausgezeichnet, vielleicht weil jede Art der Kunstübung ihn von früh auf fesselte und ein intimeres Verhältnis zu den Büchern nicht aufkommen ließ.

Seine musikalische Begabung war groß; nachdem er eine Oper gehört hatte, spielte er sie fast vom Anfang bis zum Ende auf dem Klavier nach. Theater war seine ganze Lust. Seine ältere Schwester schrieb die Stücke, er malte die Figuren und schnitt sie aus. Am Abend gab es dann Puppenspiel.“

Bild: KhPape CC BY

Neuruppiner Bilderbogen

Bilderbogen waren Einblattdrucke, die im 18. Und 19. Jahrhundert auch Lese-Unkundigen Wissen vermitteln sollten, und auch ein wenig zur Unterhaltung beitrugen. Neuruppin war wohl die „Hauptstadt des europäischen Bilderbogens“, wie Wikipedia schreibt. Von 1810 bis 1937 sind hier 20.000 Bilderbogenmotive entstanden und in der Kühnschen Druckerei massenhaft gedruckt worden.

Bild: 21.8.1848 – Aufruhr vor dem Sitz des MP Rudolf von Auerswald (zeitg. Neuruppiner Bilderbogen). Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei
Bild: Das merkwürdige Jahr 1848. Eine neue Bilderzeitung. 26. Bild. “Feierlicher Einzug des Reichsverwesers in Frankfurt a. M. am 6. Juli”. Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz CC BY SA 3.0

Mein Fazit

Es lohnt sich, die „preußischste“ Stadt mal anzusehen. Der Unterschied zu westdeutschen Kleinstädten wird sofort klar. Platz auf Straßen und Plätzen gibt es hier im Überfluss. Das wirkt großzügig und ein wenig vornehm. Hoffentlich kommt hier nie die Idee von Verschwendung von kostbarem Baugrund auf!


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