„Zentrum für Austausch und Machen“, die Idee dahinter finde ich noch immer faszinierend und vorbildlich. „Die Erlanger Stadtgesellschaft gemeinsam ins Machen bringen“ – so ungefähr formulierte es Florian Janik, Oberbürgermeister von Erlangen, bei der Eröffnung am 30.5.2025. Das Machen, das Handeln, ist ja gerade für uns in Deutschland sehr unterstützenswert: Wir reden gern viel, aber setzen wenig davon um. Das die Stadt Erlangen den Aspekt des Machens und des Austauschs – des Teilens von Wissen – als einen Hebel für Entwicklung und Vernetzung der Stadtgesellschaft sieht und kräftig unterstützt hat, sehe ich als eine richtig zukunftsweisende Investition! Die Stadt Erlangen hat das Haus gekauft und für 10 Jahre an den Betreiberverein ZAM e.V. verpachtet.

Dieser Betreiberverein hat in unglaublich vielen Arbeitsstunden mit vielen Ehrenamtlichen den alten Gebäudebestand saniert, und 7 Werkstätten eingerichtet und mit professionellen Maschinen ausgestattet:
- Ausprobierwerkstatt
- Farbwerkstatt
- Holzwerkstatt
- Metallwerkstatt
- Textilwerkstatt
- Druckwerkstatt
- Prototypen- und Elektronikwerkstatt
Nicht nur die Einrichtung hat der Verein gut hinbekommen. Seit der Eröffnung vor knapp 11 Monaten haben sie ehrenamtliche Experten für die jeweiligen Werkstätten gefunden, die einerseits Rat geben können, wenn jemand Tipps braucht, und andererseits auf die richtige Bedienung der Maschinen achten, damit sich niemand verletzt und die professionellen Maschinen heil bleiben. Die Werkstatt-Öffnungszeiten hängen nun von der gespendeten Zeit dieser ehrenamtlichen Experten ab. Zwei- bis viermal die Woche für mehrere Stunden Ehrenamtliche zu gewinnen, auch das ist eine erstaunliche Leistung des Betreibervereins. Das muss man erstmal schaffen!

Mein Einstieg ins ZAM
Um das ZAM besser kennenzulernen, habe ich mich stundenweise als „Betreuer des Haupthauses“ eingetragen. Nur wenn das jemand übernimmt , kann das Haupthaus geöffnet sein. Eine Betreuer-Aufgabe ist es auch, interessierten Besuchern das ZAM zu zeigen. Durch die vielen Rundgänge und Gespräche mit Besuchern und Ehrenamtlichen wurde mein Bild über das ZAM immer runder. Und meine Begeisterung fürs ZAM stieg auch.
Nicht durchdrungen habe ich bisher aber die dahinter stehende Organisation des ZAM. Diese Gremien steuern das Geschehen im ZAM:

Mich hat die Vielfalt von Gremien für einen Verein mit gut 200 Mitgliedern zwar erstaunt, aber das muss mich ja nicht kümmern, dachte ich.
Erkenntnis aus den ersten Monaten im ZAM
Ich bin erst seit November 2025 dabei. In Gesprächen mit zufällig reinkommenden Besuchern und im persönlichen Umkreis, war das ZAM weitgehend unbekannt. Und in den Werkstätten gibt es noch viel ungenutzte Kapazität. Das ZAM muss in der Stadtgesellschaft bekannter werden. Die Zahl der Nutzer – und idealerweise auch der Mitglieder – müsste stetig steigen, damit sich die tollen großen Investitionen auch lohnen. So mein Gedanke. Aber ich bin ja Verfechter der Machen-Idee. Deshalb brauchte es eine Aktion, die das ZAM in der Stadtgesellschaft sichtbarer macht.
„1000inErlangen“
Die Zeit ist günstig, viele Menschen denken gerade über ihre Unabhängigkeit von amerikanischen Unternehmen nach. Was wäre, wenn es gelingt, das nettere Twitter, also Mastodon als Kommunikationskanal unter Erlanger Bürgerinnen und Bürgern, Geschäften und Organisationen zu etablieren. Hier ist das Projekt beschrieben.
Und wenn diese Initiative mit dem ZAM in Verbindung gebracht wird, dann ist das ZAM auch bei denen im Gespräch, die bisher noch nichts davon gehört haben. Also aus Sicht des ZAM muss es nicht um die 1000 gehen, die sich dann einen Account klicken, sondern um die 10.000 die wir dafür angesprochen haben!
Nach Gesprächen im ZAM habe ich das Projekt
- am 9. Februar 2026 im offiziellen internen Kommunikations-Medium Mattermost für alle sichtbar angekündigt und zum Mitmachen eingeladen,
- am 26. Februar 2026 im selben Kanal den Start des Projekts veröffentlicht.
- Enen Zwischenbericht gab es auf der gleichen für alle sichtbaren Plattform am 2. März 2026.
- Die Idee, das Projekt auch den Erlanger Nachrichten zur Veröffentlichung zu empfehlen, habe ich am 20.3. in den Mattermost-Kanal des PR-Teams gegeben mit der Frage, ob aus Sicht des ZAM etwas dagegen spricht.
Man will mit mir reden
„Hallo Karlheinz, wir würden uns als Vorstand gern mal mit dir unterhalten.“ Die Anfrage kam am 27. März 2026. Wunderbar, sie sind an meinen Aktivitäten interessiert, so mein Gedanke. Das Gespräch fand letzte Woche am 17. April statt.
Sie haben mir aber nur unmißverständlich mitgeteilt, dass ich mich nicht an den Dienstweg gehalten habe (den ich gar nicht kannte). Ein Ankündigen eines werblichen Projektes für das ZAM auf Mattermost sei nicht relevant. Das muss auf dem dafür vorgesehenen Kanal eingereicht werden! Eine anonyme Email hat man mir dafür genannt.
„Hmm, nun wisst ihr ja seit einigen Monaten von meinem Projekt. Ist das denn nun in den Gremien diskutiert?“ war meine Frage. „Das kann nur durch die Gremien gehen, wenn Du unsere Regeln einhältst. Dafür haben wir uns Regeln gegeben.“ Über ZAM-Regeln ging das Gespräch dann noch 45 Minuten weiter. Der Inhalt meiner Arbeit war überhaupt kein Thema!
Ich habe abgesagt
Noch im Gespräch wurde mir klar:
- Wenn es dem Vorstand gar nicht um meine inhaltliche Arbeit geht, sondern nur ums Einhalten des Dienstweges, dann werde ich in Zukunft viel Zeit mit „Dienstweg-Einhaltung“ verbringen müssen. Das scheint hier ein erheblicher Anteil zu sein.
- Wenn es vom 9. Februar bis zum 17. April dauert, bis ein Aufmerksam-Machen auf einen „Regelverstoß“ aus Sicht des Vorstandes erfolgt, lässt das auf zeitraubende interne Abstimmungen schließen.
Meine Lebenszeit ist begrenzt. Ich will mich mehr auf produktiv wirksame Aufgaben konzentrieren. Hier scheint mir der Bürokratie- und Kontroll-Anteil sehr hoch. Ich wünsche mir mehr Vertrauen und Zutrauen als ehrenamtlich Mitmachender.
Nach dieser überraschenden Erfahrung stelle ich meine Aktivitäten zur Unterstützung des ZAM schweren Herzens ein, um meine Energie für eine vielleicht nächste gesellschaftlich förderliche Aufgabe mit mehr produktiverem Anteil einzusetzen.
Fazit
Die Grundidee des ZAM ist wunderbar. Und meine Entscheidung soll niemanden abhalten, das ZAM zu unterstützen. Viele Werkstatt-Betreuer und andere Ehrenamtliche tun das ja auch mit Erfolg.
Nur passen die derzeitig Verantwortlichen im ZAM mit meinen Mitmach-Vorstellungen nicht zusammen. Ich will das ja auch irgendwie funktionierende ZAM-Gefüge nicht stören. Im Gespräch mit dem Vorstand hatte ich mehr und mehr diesen Eindruck. Deshalb mein persönlicher Entschluß die ZAM-Arbeit zu beenden.
Viel Erfolg wünsche ich dem ZAM auch weiterhin!



How to kill ownership.
Wenn der Prozess über dem Produkt steht, liegt das Interesse nicht im Produkt. ich kann Deine Entscheidung vollkommen nachvollziehen und hätte es wohl genauso entschieden.