Deutsche Bahn: Bitte Verantwortung übernehmen

Wir sind gestern mal wieder mit dem ICE von Erlangen nach Berlin gefahren. Normalerweise dauert die Fahrt 3 Stunden, gestern waren es 11. Grund war lt. RBB ein Böschungsbrand auf 5 km Länge bei Trebbin, kurz vor Berlin, der durch eine feste Bremse an einem Güterzug ausgelöst wurde.

Unser Zug hielt gegen 13.20 Uhr auf freier Strecke kurz hinter dem Bahnhof Trebbin. Der Zugführer gab als Grund den Böschungsbrand an, und wir sollten uns gedulden, bis die Streckenfreigabe kommt. Der Zug war voll besetzt, auch etliche Familien mit Kindern warteten friedlich auf die Weiterfahrt. Der Zug sollte ja über Berlin nach Hamburg fahren. Die Streckenfreigabe kam aber nicht.

Gegen 17:00 Uhr sagte der Zugführer, man habe entschieden, dass der Zug nach Leipzig zurückfahre. Und wer wolle könne über einen Notausgang am Bahnhof Trebbin noch aussteigen. Gefühlt der halbe Zug stieg auch dort aus, in der Hoffnung von dort irgendwie weiterzukommen. Berlin war ja nur noch 40 km entfernt.

Dann setzte sich der Zug zurück in Richtung Leipzig in Bewegung. Wieder ohne Hinweis auf mögliche Ersatz-Verbindungen nach Berlin oder Hamburg. Plötzlich die Durchsage: Wir halten in Bitterfeld. Mit einem Hinweis auf einen ICE, der dort nach Hamburg erreicht werden könne. Der war im DB-Navigator aber als übervoll und nicht mehr buchbar gekennzeichnet.

Wenn der ICE von Bitterfeld nach Berlin durchkommt, dann könnte ja auch unser immer noch halbvoller Zug nach Berlin und Hamburg kommen. Warum dann nach Leipzig? Und wie geht es von dort weiter? Die Info über alternative Verbindungen waren früher in solchen Fällen mal üblich. Wir hörten davon nichts. Auch im DB-Navigator wird keine Alternativ-Verbindung angegeben.

Wir stiegen dann in Bitterfeld aus und suchten uns eine Regionalexpress-Verbindung mit Umstieg in Dessau auf anderer Strecke nach Berlin. Auch dafür gab es keinen Hinweis. Die Verbindung konnte nur jemand finden, der ein wenig Bahn-Streckenkenntnis hat. Ausländer im Zug konnten das sicher nicht.

Ich stelle mir vor, wir hätten unseren 13 jährigen Enkel in Erlangen in den Zug nach Berlin gesetzt, um ihn in Südkreuz am Bahnhof abzuholen. Der wäre jetzt allein in Leipzig.

Mit der Fahrkarte kauft man ein Transport-Versprechen

Ich fahre seit vielen Jahrzehnten mit der Bahn. Früher war ich gewohnt, dass mein Zug immer ankommen wird – egal wie spät. Die frühere Bahn hat immer die Verantwortung übernommen, mich ans Ziel zu bringen. Heute scheint es diese Verantwortung nicht mehr zu geben. Schlimm genug, wenn der Zug nicht ankommt, aber wenn es nicht einmal Hinweise zu Alternativ-Verbindungen gibt, dann spürt man, dass sich niemand für das Einhalten des Transport-Versprechens verantwortlich fühlt. Die Deutsche Bahn ist ein Staats-Unternehmen. Kann man daraus ableiten, wie wichtig wir Bürger dem Staat noch sind?

Böschungsbrand: Wie ging das damals mit funkensprühenden Dampfloks?

Wenn es stimmt, dass ein Güterzug mit einer anliegenden Bremse den Böschungsbrand auslöste, dann fragt man sich, was die Bahn damals im Dampflok-Betrieb auf der gleichen Strecke wohl besser gemacht hat. Da wäre ja im Sommer kein Zug mehr gefahren, wenn die Böschung so brennbar gewesen wäre.

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